Vier Tipps, wie Sie Ihren ersten Vortrag erfolgreich meistern

Von den zahlreichen Tipps, die Sie als Doktorand und Wissenschaftler für erfolgreiche Vorträge beachten können, lege ich Ihnen vier ganz besonders ans Herz: Gewinnen Sie Klarheit über Ihre persönliche, innere Einstellung zu Präsentationen. Fokussieren Sie sich auf einige wenige, aber wichtige Inhalte und finden Sie die Storyline Ihrer Präsentation. Gehen Sie interessiert auf Ihr Publikum zu und netzwerken Sie aktiv. Ich verspreche Ihnen: Wenn Sie diese Tipps umsetzen, erfüllen Sie bereits die halbe Miete für Ihren erfolgreichen ersten Vortrag.

1. Mindset: Positiv gestimmt in den Vortrag

Ich selbst war in meiner Schulzeit noch schüchtern, konnte kaum flüssig vor meinen Mitschülern sprechen und mein Gesicht ist damals noch regelmäßig tomatenrot angelaufen, wenn ich in exponierter Position vor anderen gesprochen habe. Längst aber stehe ich seit Jahren sehr gern und regelmäßig auf der Bühne. Mein erster Schritt dahin war seinerzeit der berühmte Sprung ins kalte Wasser: ich habe häufig geprobt und trainiert. Mit der Zeit konnte ich mich durch gezielte Vorbereitung in den Vorträgen frei schwimmen. Mein Ehrgeiz als Nachwuchswissenschaftler, erste Erfolge beim Präsentieren auf Wissenschafts-Tagungen und das damit veränderte Selbstbild waren Meilensteine. Bis heute habe ich hunderte erfolgreiche Präsentationen gehalten. Allen gemein war das positive Selbstbild, welches ich nach und nach von mir gewonnen habe.

Sehen auch Sie sich als Promovierender bildhaft auf der Bühne wieder? Können Sie sehen und fühlen, wie Sie lebendig und mit Begeisterung von Ihrem Forschungsprojekt erzählen, und wie Sie erfolgreich mit Ihrem Publikum flirten? Wenn Sie diese Bilder im Kopf haben, die Sie noch dazu mit positiven Emotionen verknüpfen können, haben Sie einen wertvollen Baustein für Ihren gelungenen Vortrag gesetzt.

Sie können sich gezielt mental auf künftige Präsentationen vorbereiten und so Ihr Selbstbild positiv entwickeln. Klären Sie für sich, wo Sie sich heute als Vortragender und innerhalb Ihres wissenschaftlichen Netzwerks sehen – und wo Sie sich in Zukunft gern sehen möchten. Das passiert natürlich meist nicht von heute auf morgen und kann einige Wochen oder Monate dauern. Überlegen Sie sich daher, welche Schritte Sie konkret gehen können, damit Sie bald so richtig gute Vorträge halten.

 

Proben Sie Ihre Vorträge und holen Sie sich Feedback

Eine Möglichkeit wäre, dass Sie vor Ihren Kommilitonen, im Doktoranden-Netzwerk, vor Freunden oder in einer kleinen Gruppe proben und sich konstruktives, aber auch kritisches Feedback holen. Holen Sie sich ehrliche Rückmeldung und sehen Sie auch die Stärken, die Sie bereits mitbringen. Vielleicht gibt es in Ihrer Stadt auch einen Toastmasters-Club, in dem Sie motivierte und aufgeschlossene Menschen finden, die sich ebenfalls Feedback für ihre Präsentationen geben lassen. Durch das regelmäßige Training gewinnen Sie zusätzlich an Erfahrung und Souveränität in Ihren Vorträgen. Nicht zuletzt hat mir das Training dabei geholfen, einen guten, überzeugenden Vortrag während der Verteidigung meiner Dissertation zu halten und Rückfragen aus dem Plenum und von den Prüfern souverän zu beantworten.

In einem weiteren Schritt können Sie dann die Frage lösen, wo Sie künftig Vorträge halten möchten. Ich selbst war seit meinem Studium regelmäßig auf Wissenschafts- und Arbeitskreis-Tagungen, habe Vorträge und Poster-Präsentationen gehalten und bin mit zunehmender Erfahrung auch in meinem damaligen wissenschaftlichen Netzwerk bekannt geworden.

Natürlich wissen Sie, dass Sie mit einem gut vorbereiteten Vortrag ein Erfolgserlebnis verbuchen können. Die meisten Blogs beschäftigen sich mit der inhaltlichen Vorbereitung. Dazu finden Sie hier einige wertvolle Hinweise.

Allerdings verpufft die beste inhaltliche Vorbereitung wieder, wenn Sie nicht mit der richtigen inneren Haltung in Ihren Vortrag gehen. Was ich damit meine: Ihre mentale Einstellung, Ihr Selbstbild, Ihr Mindset entscheiden mit darüber, ob Sie die Präsentation erfolgreich meistern. Fragen Sie sich im Vorfeld also konkret: Was denken Sie über sich, wenn Sie sich auf der Bühne sehen? Welches Bild haben Sie von sich selbst? Wie stehen Sie zu Ihrer Dissertation?

2. Weniger ist wirklich mehr

Falls Sie es nicht schon längst gemacht haben: Entrümpeln Sie im nächsten Schritt Ihren Vortrag. Prüfen Sie, welche Inhalte Ihrem Publikum wirklichen Mehrwert bringen. Das können je nach Zielgruppe ganz unterschiedliche Inhalte sein: Der wissenschaftliche Ansatz lohnt sich natürlich, wenn Sie als Doktorand vor Fachpublikum präsentieren. Dagegen reduzieren Sie die Fachbegriffe auf ein Minimum, wenn Sie etwa im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit vor Menschen vortragen, die sich im Thema nicht wirklich auskennen. In Science Slams wiederum spielt der Unterhaltungswert eine besondere Rolle.

In jedem Fall werfen Sie alles heraus, was Sie nicht wirklich brauchen. Das machen Sie so lange, bis das Weglassen weiterer Inhalte das Verständnis erschweren würde. So gewinnen Sie Fokus auf das Wesentliche – genau wie professionelle Redner. Letztere halten nicht umsonst qualitativ besonders hochwertige Vorträge.

Kennen Sie PechaKucha? In diesem Format ist jede der 20 PowerPoint-Folien automatisch nur 20 Sekunden sichtbar. So hängt der Vortrags-Erfolg gerade hier ganz besonders davon ab, ob sich die Redner kurz fassen und auf den Punkt kommunizieren können. Das erfordert einen klaren Fokus auf das Wesentliche.

Setzen Sie gezielte Wirkungspausen

Aber Vorsicht: Verpacken Sie Ihre Inhalte nicht so dicht, dass Ihr Publikum keine Zeit mehr zum Durchatmen hat. Ich habe es kürzlich selbst aus der Zuhörer-Perspektive erlebt: Ein Redner hat seine dicht gepackten – und hochwertigen – Inhalte mit einem derart hohen Sprechtempo kombiniert, dass ich zum Ende des 45-minütigen Vortrags Kopfschmerzen hatte. Was dagegen hilft: Setzen Sie gezielt kurze Wirkungspausen. Ideal sind meist 2-3 Sekunden, je nach Kontext auch schon mal längere Zeit. So verstärkt auch Barack Obama seine Botschaften durch gezielt eingesetzte Pausen. Aus einer seiner Reden ist mir eine Redepause von 16 langen Sekunden in Erinnerung. Wer als Redner Pausen aushält, strahlt Souveränität aus. Unterschätzen Sie nicht deren Wirkung: Betonte Pausen verstärken einerseits Ihre Botschaften. Sie lassen außerdem Ihrem Publikum genügend Zeit, die gerade aufgenommenen Informationen zu verarbeiten. Das ist gerade im wissenschaftlichen Kontext sehr wirksam, da es sich hier oft um komplexe Inhalte handelt.

Ergänzend dazu sei gesagt, dass Sie die zentralen Inhalte Ihres Vortrags in kurzen, einprägsamen Sätzen wiederholen können. Solche Wiederholungen setzen sich im Gedächtnis Ihres Publikums viel eher fest als einmalig kommunizierte Informationen. Außerdem können Sie kurze, interessante Sätze über Twitter und andere Kanäle verbreiten und so mit Ihrer Person verknüpfen – gut für Ihre Reputation in Ihrem Netzwerk!

3. So wird Ihr Projekt zu einer packenden Story

An Reputation gewinnen Sie auch, wenn Sie Ihren Vortrag in spannende Geschichten verpacken. Dazu ist es wichtig, dass Sie die Inhalte Ihres Vortrags aufeinander beziehen. Decken Sie im Vortrag inhaltliche Zusammenhänge auf, anstatt zahlreiche Ergebnisse aneinander zu reihen. In meiner Zeit als Doktorand war dies ein unbequemer und doch wichtiger Lernprozess: So habe ich in einem meiner ersten Wissenschafts-Vorträge eine Fülle an Zahlenreihen Stück für Stück abgearbeitet. Davon war mein Publikum ganz entgegen meiner Erwartungen nicht begeistert. Vielmehr hat es ganz zurecht in der Diskussion mehrfach nach dem Kontext der Ergebnisse gefragt: Sinn und Zielsetzung meines Projekts habe ich seinerzeit noch nicht erkennbar kommuniziert.

Zeigen Sie Ihre Persönlichkeit

Wenn Sie eine packende Geschichte erzählen möchten, achten Sie darauf, Kontext herzustellen, Spannung aufzubauen und die Neugier des Publikums zu wecken. Präsentieren Sie also nur die wesentlichen Ergebnisse, die Ihnen einen Erkenntnisgewinn bringen. Teilen Sie außerdem mit, welche überraschenden Wendungen es möglicherweise gegeben hat, so dass Sie einen „Aha-Effekt“ für Ihr Publikum einbauen: Wissenschaft wird an der Stelle spannend, wo sie neue Erkenntnisse aufdeckt, sonst bleibt sie brotlose Kunst. Schaffen Sie es darüber hinaus noch, Ihre persönlichen Erfahrungen aus der vorgestellten Studie einzuflechten, steht einer spannend erzählten, glaubwürdigen Story praktisch nichts mehr im Weg. Sie können eine interessante Anekdote aus Ihrer Gelände- oder Laborarbeit erzählen, die Ihr Publikum zum Schmunzeln bringt. Mit persönlichen Geschichten kommen Sie ins freie Sprechen. Das ist wertvoller als jede aufwendig aufbereitete Textfolie.

Ihre Inhalte werden lebendig, sobald Sie einen vollständigen Handlungsstrang (die „Storyline“) entwickeln. Selbst wenn Sie in der Wissenschaft mit Fachbegriffen arbeiten: Nutzen Sie eine einfach verständliche Sprache. Vermeiden Sie Schachtelsätze. Arbeiten Sie mit kurzen Sätzen. Kommen Sie schnell auf den Punkt. Nur so wird Ihre Erzählung auch wirklich interessant. Ziehen Sie am Ende der Story ein kurzes Fazit, damit Ihre Geschichte an Format gewinnt.

 

4. Netzwerken Sie mit Ihrem Publikum

Halten Sie Ihren ersten Vortrag in Ihrer Arbeitsgruppe, im Rahmen eines Workshops oder auf einer Fachkonferenz? Dann können Sie Ihren Vortrag aufwerten, indem Sie Ihr Thema auch mit den Themen Ihrer Vor- oder Nachredner verknüpfen. Binden Sie Bemerkungen und interessante Erkenntnisse aus anderen Präsentationen mit ein. Tauschen Sie sich dazu vorher auch mit Ihren Kollegen aus oder laden Sie diese zur persönlichen Diskussion nach Ihrem Vortrag ein.

Überlegen Sie sich vorher, welche Fragen Sie diskutieren möchten

Hierzu ist es sinnvoll, dass Sie auch außerhalb Ihrer Präsentation sichtbar sind. Die Kaffee- und Mittagspausen der Konferenzen eignen sich genauso gut zum Netzwerken wie Exkursionen. Gehen Sie auf Ihre Kollegen zu! Sie können gerade als Doktorand gezielt netzwerken, wenn Sie sich bereits im Vorfeld der Veranstaltung Gedanken machen, welche Fachkollegen Ihre potenziellen Ansprechpartner sein könnten. Laden Sie auch im Vortrag zur Interaktion und zur kontroversen Diskussion ein – das schafft zusätzlichen Mehrwert für Sie und Ihre Kollegen. Überlegen Sie sich, welche offenen Fragen Sie ansprechen und diskutieren möchten. Ein weiterer Tipp: Nehmen Sie in jedem Fall genügend Visitenkarten mit. Ein Foto von Ihnen auf der Rückseite Ihrer Visitenkarte erhöht den Wiedererkennungswert beträchtlich.

Wenn Sie darüber hinaus noch in der Lage sind, Ihren Vortrag bzw. Ihr Thema in einem Satz verständlich zusammenzufassen, kommen Sie auch einfacher mit Ihren Kollegen ins Gespräch. Wie für den Vortrag ist hierzu eine positive Einstellung die Basis, damit Sie mit einem gelungenen Vortrag im Gedächtnis bleiben und Ihr Netzwerk schrittweise vergrößern.

Was interessiert Sie darüber hinaus, damit Sie Ihren ersten Vortrag erfolgreich gestalten? Ich freue mich auf eine rege Diskussion mit Ihnen!

Zur Person

Dr. Stephen Wagner ist Trainer und Coach für Präsentationen. Als Geograph und Naturwissenschaftler hat er weltweite Erfahrung mit Forschungsprojekten und Präsentationen. Komplexe Inhalte vermittelt er praxisnah, unterhaltsam und verständlich. Er arbeitet an der Schnittstelle Science, Business und internationale Kommunikation und bloggt auf seiner Website: www.redelandschaften.de/blog

 

 

 

  • 22/11/2018

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