
Wissenschaftliches Schreiben soll langweilig und unverständlich sein. Wenn du bisher klar und verständlich geschrieben hast, dann ist es an der Zeit, schlecht schreiben zu lernen. Der heutige Beitrag zielt darauf ab.
Du hast eine spannende Forschung abgeschlossen.
Jetzt willst du darüber schreiben, um sie der Welt unzugänglich zu machen.
Denn warum sollten die Leser*innen Spaß daran haben, einen wissenschaftlichen Text zu lesen?
Warum sollten sie ihn leicht verstehen? Schlimmer: Etwas daraus lernen?
Wissenschaft soll unzugänglich sein.
Wer Inhalte klar und prägnant kommuniziert, hat gleich verloren.
10 Tipps, um eine wissenschaftliche Abhandlung schlecht zu schreiben.
1. Ahme den Stil von Autor*innen nach, die du für unleserlich hälst: So wirst du auch unleserlich schreiben.
2. Ahme Autor*innen nach, die kompliziert schreiben, so dass dich keiner versteht. Schließlich hast du 3 Jahre spannende Forschung betrieben – warum solltest du der Welt so mitteilen, dass sie verstanden wird?
3. Geh davon aus, dass jeder*e Leser*in deine Meinung teilt: Mach das Explizite implizit: Zieh keine Schlussfolgerung nach einer Argumentationskette. Beende wichtige Sätze mit “ …“ – die Leser*innen wissen schon, was du meinst – und wer es nicht versteht, verdient deinen Text nicht …
4. Wenn Einfaches verkompliziert werden kann, verkomplizier es. Immer und unbedingt. Der*die Leser*in darf sich gerne dumm fühlen.
5. Wenn du mit 10 Wörtern etwas ausdrücken können, das auch mit einem einzigen Wort zu sagen ist … dann wähl die längere Form.
6. Schreib lange verschachtelte Sätze, so dass die Leser*innen jeden Satz fünf Mal lesen müssen. Der*die Leser*in soll leiden, wenn er*sie dich verstehen will – und er*sie will das! Er*sie hat eh nichts anderes zu tun.
7. Wenn du einen Gedanken klar und prägnant schreibst, füg bitte gleich Überflüssiges hinzu. Der*die Leser*in hat sich durch einen Wust an Wörtern durchzukämpfen, um Kerngedanken zu erkennen. Erschwer ihm*ihr das Lesen!
8. Sophistizier deine Sprache mit Fremdwörtern. Denglish muss sein! Schließlich ist die deutsche Sprache so arm und ungenau, dass man komplexe Thoughts keineswegs auf Deutsch mitteilen kann.
9. Lies deinen Text nie wieder! Denn sonst könnte es passieren, dass du nicht mehr verstehst, was du damals erzählen wolltest – schlimmer: Dass du anfangst, den Text verständlich zu machen. Die Entschlüsselung deines Werkes soll allein der*die Leser*in übernehmen.
10. Bitt nie um kritisches Feedback zu deinem Schreiben. Kritik hat keinen anderen Nutzen, als dich zu ärgern.
Du hast keine Lust, schlecht zu schreiben? Du willst lernen, wie du eine gute, lesbare Dissertation schreiben? Dann ist vielleicht mein Kurs Vom Gedankenchaos zur gelungenen Dissertation etwas für dich!
Link zu meinem Kurs: scriptoria.org/de/diss
P.S. : Gut vorbereitet, ist halb geschrieben!

Martha Boeglin
Promovierte Philosophin, begleite ich seit über 23 Jahren Doktorand*innen bei ihrer Dissertation – über 10.000 bis heute.
Mein Ansatz: 100 % praxisorientiert. Meine Trainings helfen, Gedanken zu strukturieren, und geben eine Methode für schnelleres, klareres, flüssigeres Schreiben.
Weitere Artikel