3 Kernfragen die Sie klären müssen, bevor Sie einen Text schreiben

Ist Ihnen folgende Situation bekannt? Sie wollen einen Beitrag schreiben, doch irgendwie klappt das nicht so richtig. Sie haben viele Ideen und sind sehr motiviert, doch kommen nicht dazu, Ihre Gedanken richtig zu strukturieren. Keine Sorge, da sind Sie nicht allein. In diesem Artikel finden Sie Anregungen, um Ihre Gedanken zu strukturieren.

 Das schreibe ich mit links!

 Als ihre Doktormutter sie fragt, ob sie nicht einen Artikel für die Fachzeitschrift des Instituts schreiben wolle, ist Lisa Feuer und Flamme. Sie ist von ihren Entdeckungen so begeistert ! Sie denkt: Das schreibe ich mit links ! 

Lisa nimmt sich vor, Ihren Artikel am Wochenende zu schreiben.

Am Samstag steht sie, voll Energie, um 5.00 Uhr auf. Sie freut sich auf den Tag und fängt gleich leidenschaftlich an zu schreiben. Sie hat so viel zu erzählen, dass sie sich kaum bremsen kann. Ideen reihen sich aneinander, es fliesst. Sie schwebt auf einer Euphorie-Welle.

©inarik

Gleichzeitig denkt sie, sie müsse alle Fachbegriffe erklären, falls  sie die Leser nicht kennen. Trotzdem hat sie ständig das Gefühl, unvollständig zu sein. Dann beginnt sie wieder eine Literaturrecherche, um bestimmte Erklärungen hinzuzufügen.

Der Text ist aber zu lang geworden. Sie muss einiges löschen. Nicht alle Begriffserklärungen sind notwendig. Aber dann denkt sie, ein Beispiel wäre doch notwendig. Dann wird der Text wieder zu lang. Sie löscht einige Sätze. Dann aber fehlt der rote Faden.

Seit 1 Monat tut Lisal nichts mehr anderes, als Sätze hinzuzufügen und wegzulöschen. Sie versucht, manche Abstätze hin und her zu schieben, in der Hoffnung, die Gedanken so logisch aneinanderzureihen – aber inzwischen hat er sie den Überblick verloren. Eigentlich kann sie ihren eigenen Text nicht mehr sehen, nur daran zu denken, macht sie buchstäblich krank.

3 Fragen, die Sie klären müssen, bevor Sie einen Text schreiben

Bevor Sie beginnen, einen Text zu schreiben, sind 3 grundsätzliche Fragen zu klären :

  • Wer ist mein Zielpublikum ?
  • Welches Ziel hat mein Text ?
  • Welche Botschaft will ich mit meinem Text vermitteln ?

Ob Beitrag oder Dissertation: Diese drei Fragen sind entscheidend für die Weise, wie Sie Informationen darstellen werden.  Wer ist mein Zielpublikum ? Welches Ziel hat mein Text ? Welche Botschaft will ich vermitteln ?  sind drei Fragen, die Sie sich mehr oder minder bewusst stellen, bevor Sie einen Text schreiben. Nehmen Sie sich Zeit, bewusst darüber nachzudenken.  Das Konzept Ihres zukünftigen Textes wird sich klären und es wird Ihnen leichter fallen, Ihre Gedanken zu strukturieren und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

 

Wer ist ihr Zielpublikum ?

 

Wenn Ihr Zielpublikum bestimmte Sachverhalte schon kennt und Ihre Meinung teilt, brauchen Sie keine Argumente zu entwickeln, um es zu überzeugen. Dagegen ist eine stringente Argumentationskette notwendig, um Ihre Position überzeugend darzustellen.

Sicherlich können Sie nicht im Vorfeld jeden Einzelnen kennen, aber Sie können sich einen Mensch aussuchen, der Ihrem Zielpublikum angehört : Fragen Sie sich, was er weiss, was er denkt, welche Fragen er Ihnen stellen könnte, welche Einwände er zu bestimmten Aussagen haben könnte. Das wird Ihnen zu Kohärenz verhelfen.

Wer kein konkretes Zielpublikum vor Augen hat, wendet sich mal an Experten, mal an Laien. Die verschiedenen Publika fïnden sich im Text nicht wieder… und der Text erreicht seine Leserschaft nicht. Sie können nicht für alle schreiben. Für alle zu schreiben, heisst eigentlich für niemanden zu schreiben. Treffen Sie eine Wahl und halten Sie sich an Ihre Entscheidung. Merke: Das wird andere potentielle Interessenten nicht davon abhalten, Ihnen zuzuhören oder Sie zu lesen, im Gegenteil. Wichtig ist, dass Ihr Beitrag kohärent und stringent ist.

 Wer auch immer Ihr Leser ist, er hat mindestens eines mit Ihnen gemeinsam: Er hat keine Zeit zu verschenken. Er ist sehr beschäftigt, hat viel zu lesen. Entspricht ein Text seinen Erwartungen, Bedürnfissen oder Fragen nicht, ist der Text unverständlich formuliert und er wird ihn wahrscheinlich beiseite legen.

Hier finden Sie einige Fragen, die darauf abzielen, den Steckbrief Ihres Publikums zu gestalten.Fröhliche Doktorandin

  • Wer ist Ihr Leser ? Seien Sie so genau wie möglich – « die scientific community » oder «  Biologen » ist zu vage. Welches ist sein Spezialgebiet ? Welche Ideologie vertritt er ? Eventuell, welcher Altersgruppe, welcher Kultur gehört er an?
  • Was weiss Ihr Leser bereits über das Thema, das Sie behandeln ?
  • Wie steht er zu Ihren Thesen ?
  • Welche Einwände könnte er Ihnen entgegenbringen ?
  • Was erwartet Ihr Leser von Ihrem Text ?
  • Welchen Gewinn wird er aus Ihrem Text ziehen ?

Ein Tipp : Widmen Sie ihren Text einer Ihnen bekannten Person. Wählen Sie jemanden, der schon zum Zielpublikum gehört, Sie jedoch nicht einschüchtert. Indem Sie ausschliesslich für und an diese Person schreiben, werden Sie ihre Fragen vorausahnen und darauf antworten ; Sie werden sich ihre Einwände vorstellen, und ihnen dadurch klare Argumente entgegenbringen.

Welches Ziel hat Ihr Text ?

 Auch das Ziel ist wichtig. Hat ein Beitrag keines, werden die Gedanken nicht logisch strukturiert. Vieles wird geschrieben, dass nicht dazu dient, das Ziel zu erreichen – oder schlimmer noch, sich von ihm zu entfernen. Andere wollen mehrere Ziele gleichzeitig erreichen : Aber wer viele Hasen jagt, fängt am Ende keinen. Ein Text, ein Ziel. Es kann passieren, dass Sie erst mal mehrere Ziele setzen wollen. In den meisten Fällen gibt es aber nur ein einziges  Endziel ; die anderen sind Zwischenziele. Unterscheiden Sie zwischen Haupt- und Zwischenzielen. Diese sind Etappen, die Sie brauchen, um Ihr Endziel zu erreichen. Setzen Sie sich ein klares, konkretes Ziel.

Ist das Ziel klar, werden Sie den geignetesten Weg finden, um es zu erreichen. Ist das Ziel undeutlich, werden Sie Umwege gehen, Zeit und Energie verlieren und irgendwann irgendwo ankommen.

Auf die Gliederung Ihres Textes übertragen : Bei einem klaren Ziel werden Sie gleich alle Informationen und Gedanken aussortieren, die dazu dienen, das Ziel zu erreichen. Diejenigen, die vielleicht interessant sind, jedoch nicht zum Ziel führen, können Sie getrost beiseite lassen – bzw. sie für einen anderen Beitrag verwenden.

Sind die Gedanken sortiert, dann ist es leichter, sie zu strukturieren – im Hinblick auf das Ziel.

  • Ihr Text hat ein Endziel: Was wollen Sie mit Ihrem Text erreichen ?
  • Das Ziel muss in einem mittellangen Satz (25 Wörter maximal), formulierbar sein.
  • Haben Sie mehrere Ziele ? Dann fragen Sie sich : Welches ist das Endziel ? Welches sind die Zwischenziele ?.
  • Welche Schritte werden Sie ans Endziel bringen ?
  • In welcher Reihenfolge ?

Das Ziel ergibt sich aus der Motivation. Ist die Motivation unklar, ist das Ziel verschwommen. Fragen Sie sich deswegen, warum Sie einen gewissen Text schreiben wollen. Warum interessiert Sie das Thema ? Warum interessiert es Sie, den Text zu schreiben ?

Ein Tipp, um erreichbare Ziele zu setzen

Stellen Sie sicher, dass Ihr Ziel ein SMART Ziel ist!

  • Spezifisch: je präziser Ihr Ziel ist, umso leichter werden Sie den Weg finden, um es zu erreichen.
  • Messbar: Um festzustellen, ob Sie Ihr Ziel erreicht haben- oder nicht – brauchen Sie messbare Kriterien. Wenn Sie Ihr Ziel formulieren, fragen Sie sich : Woran kann ich feststellen, dass ich mein Ziel erreicht habe ?
  • Attraktiv: Widerstrebt Ihnen Ihr Ziel, wird es schwierig sein, es zu erreichen. Was macht Ihr Ziel für Sie attraktiv ?
  • Realistisch: Nur ein Ziel, dass realistisch ist, lässt sich erreichen.
  • Terminierbar: Je nachdem, wie viel Zeit Sie zur Verfügung haben, werden Sie Ihr Ziel anders formulieren. Wenn Sie nur 2 Monate zum Schreiben haben, setzen Sie sicherlich andere Ziele, als wenn Sie 10 Monaten vor sich haben.

Ist Ihr Ziel SMART, dann können Sie sich fragen: Welche Zwischenschritte habe ich zu erledigen, um mein Ziel zu erreichen ?

 

Welche Botschaft wollen Sie vermitteln ?

©blende11

Jede Mitteilung, und sei es nur eine SMS, vermittelt eine Botschaft. Ist sie klar formuliert, an eine sichtbare Stelle gestellt, wird sie vom Leser nicht übersehen. Ist sich der Autor über seine eigene Botschaft im Unklaren, wird jeder Leser eine andere erkennen. Infolgedessen wird der Autor missverstanden. Und das ist besonders schmerzhaft.

Die Botschaft ist eine Aussage – die Kernaussage Ihres Textes: rückt eine Idee aus, die Ihr Leser auch noch behalten wird, wenn er den Text schon vergessen hat. Oft sind sich Schreibanfänger nicht im Klaren darüber, welche Botschaft sie vermitteln wollen. Sie gehen dann das Risiko ein, missverstanden zu werden – denn jeder Leser entnimmt eine bestimmte Botschaft aus einem Text.

Klären Sie die Botschaft, die Sie vermitteln wollen. So werden Sie auch die geignete Strategie finden, sie sichtbar zu machen. Schreiben Sie sie deutlich erkennbar im Text – oft steht die Botschaft zwischen den Zeilen oder muss mit der Lupe gesucht werden, was wieder zu Missverständnissen führen kann.

  • Die Botschaft ist ein verständlicher Satz – als Satz beihaltet sie ein konjugiertes Verb.
  • Die Botschaft ist eine Behauptung – enthält Ihre Botschaft eine Verneinung, verwandeln Sie diese in einen positiven Satz : Sie wird gleich konkreter werden.
  • Die Botschaft ist oft die These, die Sie in Ihrem Text verteidigen
  • Eine Botschaft ist interessant, wenn Sie Ihre zentrale These darstellt und zu Diskussionen anregt.

Üben Sie sich darin, auch wenn Sie nur eine Email schreiben, diese 3 Fragen zu klären. Für manche bedarf es Übung, aber wenn Sie sie einmal « drin » haben, dann werden Sie viel schneller gute Texte schreiben können.

Üben Sie auch die gegensätzliche Position einzunehmen: Wenn Sie einen Text lesen, fragen Sie sich : An welches Zielpublikum richtet er sich ? Was ist dessen Endziel ? Welche Botschaft entnehme ich daraus ?

Fazit : Nehmen Sie sich 10 Minuten Zeit, um diese 3 Fragen zu klären, bevor Sie das nächste Mal anfangen, zu schreiben. Sie werden sehen, wie Sie sich unnötige Arbeit ersparen und Ihren Text fokussiert schreiben werden. Denn jeder Text hat einen Adressat, ein Ziel und vermittelt eine Botschaft.

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